Safer Sex

Substanzen verändern deine Wahrnehmung beim Sex: Sie können intensivieren, entspannen oder enthemmen. Sie können auch deine Risikoeinschätzung verändern. Darum besonders wichtig: Überlege dir vor dem Konsum, welche Schutzstrategie du anwendest und besprich dich gemeinsam mit deinen Sexpartner:innen.

  • HIV: Schützen mit Kondomen oder PrEP beim Anal- und Vaginalsex. Wenn du Mühe hast, unter Substanzeinfluss das Kondom zu benutzen, wäre PrEP eine gute Möglichkeit. Wie alle Medikamente muss die PrEP aber regelmässig eingenommen nehmen. Stelle dir auf dem Handy einen Alarm, damit du es auch während einer langen Session nicht vergisst.
  • Hepatitis C: Verwende zum Substanzgebrauch nur saubere Utensilien. Vermeide den Kontakt mit Blut, desinfiziere Sextoys und verwende beim Fisting Handschuhe.
  • Andere sexuell übertragbare Infektionen (STI): Vor Syphilis, Chlamydien und Gonnorhö kannst du dich nicht zuverlässig schützen, auch nicht mit Kondomen. Die beste Strategie ist das regelmässige Testen. Auf get-tested.ch findest du alle Möglichkeiten zum Test. Frühzeitig erkannt, sind STI gut behandelbar.

 

Ungeschützter Sex

Wenn du Vaginal- oder Analsex ohne Kondome oder PrEP hattest, bist du das Risiko einer HIV-Infektion eingegangen. Praktiziere die nächsten sechs Wochen Safer Sex und mache dann einen HIV-Test. Wie und wo erfährst du auf www.get-tested.ch

Wer Sex hat, kann sich aber in jedem Fall auch mit anderen STI infizieren. Davor kannst du dich nicht schützen, auch nicht mit Kondomen. Denn STI werden übertragen, wenn es zu Kontakt mit Schleimhäuten, infizierten Hautstellen oder Körperflüssigkeiten kommt. Eine Übertragung ist auch beim Oralsex; über Sextoys, bei gegenseitiger Masturbation und beim Küssen möglich.

Deshalb lohnt sich bei wechselnden Sexpartner:innen in jedem Fall ein regelmässiger Test auf die wichtigsten STI. Falls du Symptome hast, kontaktiere umgehend eine medizinische Fachperson.

Sex ohne Verhütungsmittel (wie Kondome oder Pille) ist auch ein Risiko für eine ungewollte Schwangerschaft. Du kannst in jeder Apotheke die «Pille danach» holen – du bekommst sie auch, wenn du noch nicht 16 bist.

 

Sex und Zustimmung

Substanzen verschieben deine Grenzen beim Sex:

  • Kläre im Vorfeld mit dir selbst und deinen Sexpartner:innen, was du dir vom Sex unter Substanzeinfluss erhoffst. Besprecht vor dem Sex, welche Substanz und welche Dosis ihr konsumieren wollt.
  • Konsumiere nur im Umfeld von Menschen, denen du auch nüchtern vertraust. Informiere sie, wann und was du konsumierst.
  • Konsumiere nur so, dass du auf Signale deiner Sexpartner:innen noch achten kannst. Verzichte auf Sex, wenn du dazu nicht mehr in der Lage bist.

Nur wenn alle aufeinander Acht geben, kommt es bei Sex unter Substanzen zu keinen grenzüberschreitenden, gewaltvollen oder verletzenden Situationen. Beachte dazu die Regeln zum Konsens.

Konsens bedeutet die aktive Zustimmung. Sie muss frei, selbstbestimmt, eindeutig und spezifisch geäussert werden. Wenn eine Person nicht zustimmen kann, weil sie high, schlafend oder verwirrt ist, darfst du keine sexuellen Handlungen vornehmen.

Jede Person darf jederzeit die Zustimmung zu Sex zurückziehen. Wer seine Zustimmung zu Küssen gibt, gibt noch lange keine Zustimmung zu anderen sexuellen Handlungen. Das gilt für Gelegenheitsbekanntschaften genauso wie für langjährige Sexpartner:innen.

Substanzen mit hohem Risikopotenzial


Alkohol

Erhöhtes Risikoverhalten durch Enthemmung und Selbst­überschätzung. Alkoholkonsum ist einer der häufigsten Gründe für ungeschützten Geschlechtsverkehr. Alkohol wird auch missbraucht, um andere sexuell gefügig zu machen.


GHB/GBL
Erhöhtes Risikoverhalten durch enthemmende Wirkung und gesteigertes sexuelles Verlangen; wird missbraucht, um andere sexuell gefügig zu machen («K.O.-Tropfen»).


Poppers
Erhöhtes Risikoverhalten durch schmerzhemmende, sexuell stimulierende, aphrodisierende und euphorisierende Wirkung.


Ketamin
Erhöhtes Risikoverhalten durch narkotisierende Wirkung und Realitätsverlust.


Crystal (Methamphetamin)
Risikoverhalten durch aufputschende, schmerzhemmende, aphrodisierende Wirkung sowie Selbstüberschätzung.


Kokain
Erhöhtes Risikoverhalten durch enthemmende und schmerzhemmende Wirkung sowie Selbstüberschätzung.

Achtung!

Auch andere, hier nicht genannte Substanzen können sexuelles Risikoverhalten begünstigen!